Erlebnisreise Barrio

Erlebnisreise in Santa Clara ..ein neuer Tag - typische Strassen-Szenen im Barrio von Santa Clara

Die andere Seite von Kuba

Die andere Seite von Kuba...ein ganz spezieller Ausflug in Santa Clara

Das folgende Erlebnis ist sehr persönlich, welches sich ganz anders beschreiben lässt! Kuba hautnah erleben - abseits vom Tourismus und seiner Scheinwelt. Dies hat mich bewogen während rund 7 Wochen in einem Barrio von Santa Clara zu leben. Authentisch, nah, lebendig und unvergesslich! Sie werden Barrios genannt – es sind zum Teil riesige Viertel, welche oft direkt an die grossen Städte dieser Welt grenzen. Es gibt sie überall in Lateinamerika, Asien, Karibik und auf den Philippinen….und sogar in Europa. Meist werden sie von Armen und sozial Schwachen bewohnt, nicht selten sind sie hoch gefährlich, ja lebensgefährlich für die Bewohner wie für Besucher. Gewalt, Tod, Bandenkriege, Drogen und Armut sind dafür verantwortlich, dass viele dieser „Armenviertel“ berüchtigt sind.

…und auf Kuba ? Das Land unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht….Kuba ist friedlich, selbst in einem Barrio in Santa Clara herrscht Ruhe und Friede! Während mehreren Wochen konnte ich teilhaben am Leben dieser friedliebenden Menschen. Hautnah und Tag für Tag habe ich auf eindrückliche Art und Weise erleben dürfen, was sich dort abgespielt hat. Abseits von Luxus, Gewalt und Drogen habe ich den Alltag erlebt, ungeschminkt und ohne Klischees!

Ich hatte das Glück, privat aber illegal zusammen mit Bekannten in einem kleinen Häuschen wohnen zu können. Alles haben sie mit mir geteilt, das Bett wurde mir überlassen, sie schliefen auf dem kalten Boden, wohlgemerkt ohne Matratze! Gekocht in der dunklen Küche und gegessen haben wir zusammen in der winzigen Stube, im Stehen oder auf dem zerschlissenen und abgewetzten Sofa. Das Essen bestand meist aus Reis und Bohnen, nur ganz selten gab‘s Fleisch, aber es hat gleichwohl geschmeckt. Wenn sich die Gelegenheit bot, habe ich Fleisch auf der Strasse gekauft, ob Huhn, Kuhfleisch oder Schwein, es war auf jeden Fall eine Abwechslung.

Die meisten Kubaner, welche Lebensmittel sowie Dinge des täglichen Lebens einkaufen, müssen dies in den meist fast leeren kleinen Geschäften machen, bezahlen müssen sie dann ausnahmslos in Peso cubano, CUC werden in diesen Geschäften keine akzeptiert. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass das eh schon mühsame Leben noch zusätzlich erschwert wird, denn schon früh am Morgen bilden sich vor den Läden lange Schlangen, geduldig warten sie, bis sie an der Reihe sind,.....oftmals vergebens, denn inzwischen ist das Begehrte ausverkauft und es heisst "no hay". was so viel heisst " es hat grad keines". Um dort einzukaufen benötigen die Kubaner ein kleines Büchlein, in dem die Bezüge peinlich genau eingetragen werden. Wenn das Bezugsrecht ausgeübt worden ist, dürfen sie von diesem Artikel bis zum nächsten Monat nichts mehr kaufen, denn viele Esswaren und sonstige Artikel sind rationiert, so z.B. Seife, Öl, Fleisch, Eier, Mehl, Reis etc. Immer wieder kommt es vor, dass es von einem oder mehreren Artikeln nichts gibt im laufenden Monat, so hoffen die Kubaner, dass sie dies im kommenden Monat kaufen können. Die verpasste Ration kann aber nicht durch Zukäufe kompensiert werden.

Lebensmitte-Karte KubaLebenmittel-KarteLebensmittel-Karte Kuba
Lebensmittel-Bezüge Bezüge div. Artikel Brot-Bezüge

Es fällt auf in Kuba….es wird überall gebaut, ausgebessert, gestrichen und gezimmert, denn Kuba öffnet sich, auch wenn nur langsam und vorsichtig. Natürlich half ich am Umbau des Hauses mit, wo ich nur konnte, von morgens bis abends wurde gearbeitet, wohl nach dem Motto „zuerst die Arbeit dann die Fiesta“!

Eine grosse Leidenschaft der Kubaner ist das Schach spielen auf der Strasse oder in einem der vielen Schachclubs. Natürlich habe ich mehrere Partien gespielt…..hatte aber nie den Hauch einer Chance, denn die Kubaner gelten weltweit als hervorragende Schachspieler!

Und wohl Weltmeister sind die Kubaner im improvisieren, nichts wird weggeworfen, alles wird irgendwann und irgendwie wieder verwendet, selbst total rostige, krumme und Nägel ohne Köpfe werden irgendwie zurechtgebogen!

Auf der Strasse wurde ich immer wieder angesprochen, nicht selten wurde ich gefragt, wo ich denn mein Hotel oder Casa particular in Santa Clara habe. Erstaunt reagierten sie, als ich ihnen erklärte, wo ich wohne……dies hatte zur Folge, dass ich bald kein Fremder mehr war, sondern einer von ihnen! Immer wieder gab’s interessante Gespräch, am Abend dann wurde ich sehr oft zum Essen eingeladen, natürlich fehlte nie ein Glas…zwei… drei oder mehr Gläser Rum…und die Fiesta war perfekt. So hatte ich auch die Möglichkeit, Weihnachten und das Neue Jahr hautnah miterleben zu können. Nichts ist gleich wie bei uns, nur wenige Feuerwerke waren zu sehen…und zu hören…dazu fehlt schlicht und einfach das Geld. Trotzdem, es war wohltuend anders, wohl das ganze Barrio war auf den Beinen, gefeiert und getanzt wurde die halbe Nacht, spontan und ohne „Fahrplan“!
Klar waren dann solche Nächte immer sehr kurz, denn bald bellten die Hunde, Händler priesen lauthals ihre Waren an, die Hähne krähten um die Wette und die Katzen schrien auf den Dächern wie Kleinkinder….all dies war ein untrügliches Zeichen, dass das Barrio erwacht.

Mit vielen Kubanern konnte ich über ihre Wünsche, Hoffnungen und Sorgen reden, so auch über ihre Löhne, wenn sie denn Arbeit hatten. Da wurde mir schlagartig bewusst, welch privilegiertes Leben ich habe. Arbeiter, welche 6 Tage pro Woche arbeiten und kaum Ferien haben verdienen nicht selten 8 – 10 CUC…..d.h. ca. 8 Euro…...im Monat! Für eine Busreise in den Osten und zurück habe ich mehr als 100 CUC ausgegeben, also fast so viel wie ein Arbeiter in einem Jahr verdient!

Sie haben wenig zum Leben, aber sie teilen das Wenige, was sie besitzen!

Ich habe Kuba und das Leben von einer ganz anderen Seite kennen gelernt, lebendig und nah wie es der Tourist sonst nie erleben kann. Fast 7 Wochen im Barrio von Santa Clara…eine unvergessliche Erfahrung für mich!

Ich war als Fremder in ihre Welt eingetreten, als Freund bin ich gegangen, mein Rucksack vollgestopft mit schönen Erinnerungen und wohltuenden Momente. Ich werde dies Alles nie mehr vergessen, ich weiss nun sehr gut, mit wenig die meisten Menschen leben müssen! Ich kann da nur sagen: Hasta luego!

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